Gesetzliche Unfallversicherung – Test und Erfahrungen 2018

Was ist eine gesetzliche Unfallversicherung?

Wie der Name bereits andeutet: “Gesetzliche” Versicherungen sind in Deutschland Pflicht und lassen keine freiwillige Entscheidung zu. Das kommt den Versicherten aber oft selbst zu Gute und wie im Falle der Unfallversicherung müssen die Versicherten selbst noch nicht einmal Beiträge für die Leistungen abführen. Das tut der Arbeitgeber. Versichert sind sämtliche Arbeitsunfälle und Unfälle, die in direkter Verbindung mit der ausgeführten Tätigkeit stehen, z.B. auch Unfälle auf dem Weg zur Arbeit bzw. von dort zurück nach Hause.

Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie gesetzlich unfallversichert sind, denn sie bezahlen hierfür nicht und erfahren dies oft erst dann, wenn sie tatsächlich einen Arbeitsunfall erleiden. Die Unfallversicherung greift außerdem bei Berufskrankheiten, also Krankheiten, die nur durch die Ausübung des Berufs aufgetreten sind (z.B. Asbestose).

 

Wer muss die Versicherung abschließen?

Die Unfallversicherung muss von den Versicherten nicht extra abgeschlossen werden im Gegensatz zur Privatversicherung. Jeder Arbeitnehmer in Deutschland (vorausgesetzt natürlich, er oder sie ist auch tatsächlich als Arbeitnehmer gemeldet), ist über die Deutsche ges. Unfallversicherung automatisch versichert. Und zwar tatsächlich ab dem ersten Tag, an dem eine bestimmte Tätigkeit aufgenommen wird. Die Beiträge für die Versicherung sind außerdem vom Arbeitgeber an die Berufsgenossenschaft abzuführen und damit ist die Versicherung zumindest für den Versicherten selbst völlig kostenfrei.

Der Arbeitgeber wiederum verpflichtet sich dazu, sämtliche Angaben zu seinen Mitarbeitern an die Berufsgenossenschaft zu melden. Hat ein Arbeitnehmer hier berechtigte Zweifel, so kann er diese an die zuständige Berufsgenossenschaft melden.

 

Ist eine Gesundheitsprüfung notwendig?

Nein. Versichert ist automatisch jeder Arbeitnehmer in Deutschland, völlig unabhängig von Vorerkrankungen. Allerdings spielen die im Schadensfall natürlich dennoch eine Rolle. Vorerkrankungen müssen nicht gemeldet werden, können im Falle einer schwerwiegenden Verletzung aber durchaus abgefragt werden.

Beispiel: Ein Handwerker zieht sich bei einem Arbeitsunfall erhebliche Verletzungen der Schulter zu. Dies führt dazu, dass er seinen Beruf künftig nur noch eingeschränkt ausüben kann. Ihm stünde also eine (Teil)rente der Berufsgenossenschaft zu. Diese allerdings bezweifelt, dass der Schaden an der Schulter wirklich durch den Unfall selbst auftrat und führt die Probleme auf einen (privaten) Skiunfall zurück, der bereits mehrere Jahre zurück liegt. Diese und ähnliche Fälle gibt es in der Praxis immer wieder. Gesundheitsfragen werden aber vor einem Unfall nicht beantwortet werden müssen, sondern immer erst im Schadensfall bzw. dann, wenn eine Leistung erbracht werden soll.

 

Wie gehen Sie am besten bei einem Schadensfall vor?

Tritt ein Arbeitsunfall ein, so ist die Voraussetzung für eine Leistung der Berufsgenossenschaft immer, dass auch ein echter Schaden vorliegt, also eine physische oder psychische Verletzung. Dies bedingt einen Arbeitsunfall. Dieser muss nun anschließend behandelt und als Arbeitsunfall gemeldet werden. Wer ins Krankenhaus muss, geht dort direkt zum jeweiligen Durchgangs-Arzt, ein spezieller Arzt für Arbeitsunfälle. Wichtig ist daher, im Krankenhaus direkt anzumerken, wo und bei welcher Tätigkeit es zum Unfall kam.

Wer stattdessen seinen normalen Hausarzt aufsucht, wird sicherlich später noch einmal zum Durchgangsarzt geschickt werden, denn dessen Diagnose ist für die Behandlung zwingend erforderlich. Nicht jeder Arbeitnehmer ist sich der Tatsache bewusst, dass es für die Behandlung von Arbeitsunfällen spezielle Ärzte gibt.

Sobald eine Verletzung eindeutig als “Arbeitsunfall” gemeldet wurde, läuft der Rest automatisch. Die Berufsgenossenschaft wird nun Kontakt zum behandelnden Durchgangs-Arzt und dem/der Verletzten aufnehmen und einen Bericht über den Unfallhergang anfordern. Hierzu muss der Versicherte wahrheitsgetreue Angaben machen. Bei einem Unfall ist daher – wie auch sonst bei jeder Versicherungentscheidend, wie es zu dem Unfall kam. War das eigene Handeln fahrlässig? War der/die Versicherte alkoholisiert? Wurde tatsächlich eine dienstliche Tätigkeit ausgeführt (oder fuhr jemand eben gar nicht zur Arbeit, sondern stattdessen zum Sport)? All diese Fragen müssen beantwortet werden, wenn eine Leistung von der Berufsgenossenschaft erwartet wird.

 

Was zählt als Arbeitsunfall?

Jeder Mensch nimmt sich täglich Arbeiten an, die zum Erreichen eines Ziels notwendig sind. Der Metzger benötigt ein Beil für seine Arbeit während andere hinter dem Schreibtisch sitzen. Beide könnten aber stolpern, beispielsweise über ein herum liegendes Kabel. Das wäre ein Arbeitsunfall. Aber wer hat ihn verschuldet? In dem Fall hätte die Berufsgenossenschaft hierzu eine eindeutige Meinung: Der Arbeitgeber hat den Unfall selbst verschuldet, denn er hat den Unfall nicht aktiv verhindert und agierte fahrlässig.

Wird deshalb aber dem Arbeitnehmer die Leistung verweigert? Eindeutig nein! Am Vergehen des Unternehmers wird niemals der oder die Versicherte zu leiden haben. Hingegen könnte der Betrieb durchaus mit einer Strafzahlung in Form von erhöhten Beiträgen bestraft werden.

Als Arbeitsunfall zählt aber auch ein Wegeunfall. Außerdem umfasst die gesetzliche UV auch Schüler, die in der Ausbildungsstätte oder Schule verunfallen oder auf dem Weg dorthin einen Unfall erleiden. Ebenso zählen dazu Kinder in Kindergärten und Krippen. Die Leistung zahlt in diesen Fällen die Unfallkasse des jeweiligen Bundeslandes.

Auch wenn es keinem Unfall gleicht, so sind auch Berufskrankheiten über die gesetzliche Versicherung abgedeckt. Die Voraussetzung hierfür ist ein Beleg darüber, dass die Krankheit ohne die Ausübung des jeweiligen Berufes nicht entstanden wäre.

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